Hard Seltzer Truly White Claw Toll Barrier

Zoll betrachtet Hard Seltzer als Alkopop

Hintergrund

Der Zoll will Hard Seltzer mit der Alkopopsteuer belegen. Die Hersteller haben derweil Strategien entwickelt, um die hohe Steuer zu umgehen.

Der deutsche Zoll belegt Hard Seltzer mit der hohen Alkopopsteuer. In einer Mitteilung schreibt die Behörde, ein aus Mineralwasser und destilliertem Neutralalkohol gemischtes Seltzer unterliege der Alkopopsteuer und der Alkoholsteuer. Auch für eine Mischung aus Gärungsalkohol mit Mineralwasser dürfte in der Regel nichts Anderes gelten, erklärt der Zoll weiter. Dass ein Hard Seltzer süß sei, spiele keine Rolle bei der Frage, ob Hard Seltzer der Alkopopsteuer unterliege.

Somit dürfte es für Hersteller schwierig sein, die hohe Alkopopsteuer zu umgehen. Ein Hard Seltzer falle nicht unter die Alkopopsteuer, wenn es sich um eine vergorene Zuckerlösung handele, welcher der Hersteller nur Fruchtgeschmack und Kohlensäure hinzufüge – ohne dabei ein fertiges Getränk beizumischen. Das teilte die Generalzolldirektion Hard Seltzer Insider auf Nachfrage mit. “Soweit die Herstellung eines solchen Produkts in dieser Form technisch möglich wäre, würde es nur der Alkoholsteuerpflicht unterfallen und wäre nicht alkopopsteuerpflichtig”, erklärt die Behörde.

Bislang hat die Zollverwaltung nach eigenen Angaben eine verbindliche Zollauskunft für ein solches Hard Seltzer mit Alkohol aus fermentiertem Zucker erteilt. Der entsprechende Anbieter sehe sich selbst nicht als alkopopsteuerpflichtig an: “Die diesbezüglichen Unternehmensangaben wurden indes als zutreffend unterstellt und nicht überprüft, da eine verbindliche Zolltarifauskunft nur die Einreihung der Ware in den Zolltarif und nicht ihre Verbrauchsteuerpflicht betrifft”, schreibt die Generalzolldirektion. Die endgültige Entscheidung obliege dem zuständigen Hauptzollamt, das den Herstellungsprozess begutachten müsse. Den Markennamen gab die Behörde aufgrund des Steuergeheimnisses nicht preis.

Weinschorle-Hard-Seltzer ist steuerfrei

Eine weitere Strategie der Hersteller ist, ein Hard Seltzer aus Mineralwasser und Wein zu mischen, und dann Fruchtaromen beizufügen. Der Vorteil: Ein solches “Weinschorle” fällt unter gar keine Steuer, wenn es weniger als 10 Prozent Alkohol enthält, wie die Generalzolldirektion mitteilt: “Es kann der Schaumweinsteuerpflicht unterliegen, so z.B. wenn es einen auf gelöstes Kohlendioxid zurückzuführenden Überdruck von 3 bar oder mehr aufweist.” In Deutschland gibt es keine Steuer auf Wein, sondern nur auf Schaumweine wie Sekt.

Lidl verfolgt offenbar die Weinschorle-Strategie. Der Schwarz-Discounter fügt seinem Getränk Sunrise laut eigenen Angaben “Fruchtdessertwein” hinzu. Lidl wollte sich dazu auf HSI-Anfrage nicht äußern. Der Generalzolldirektion zufolge befindet sich derzeit ein Hard Seltzer in der Begutachtung, das steuerrechtlich als Wein gelten könnte und somit steuerfrei wäre. Die Untersuchung sei aber noch nicht abgeschlossen.

Wir haben nun eine verbindliche Zolltarifauskunft erhalten, dass wir keine Alkopopsteuer zahlen müssen. Diese Auskunft ist bei der aktuellen rechtlichen Lage 3 Jahre gültig.

Dominik Wojcik, Zelos Genuss

Das Berliner Startup Zelos Genuss stellt den Alkohol aus fermentierter Dextrose her und nutzt dazu zwei Hefesorten. Gründer Dominik Wojcik erklärt gegenüber Hard Seltzer Insider: “Wir haben nun eine verbindliche Zolltarifauskunft erhalten, dass wir keine Alkopopsteuer zahlen müssen. Diese Auskunft ist bei der aktuellen rechtlichen Lage 3 Jahre gültig.”

Laut Wojcik vermischt Zelos Genuss zuerst Wasser mit Dextrose. Dazu gebe man Hefe und lasse das Gemisch rund zwei Wochen in einem Tank gären. Zum Schluss folgen Fruchtaromen und Kohlensäure. “Wir mischen nicht und fallen auch so nicht unter die Alkopopsteuer”, sagt Wojcik.

Alkopopsteuer beträgt 92 Cent pro Dose

Unterliegt ein Hard Seltzer der Alkopopsteuer, fallen auf ein 330-ml-Getränk mit 5 Prozent Alkoholgehalt 21 Cent Alkoholsteuer und 92 Cent Alkopopsteuer an, erklärt die Generalzolldirektion. Um konkurrenzfähig zu sein, dürfte für die Hersteller deswegen entscheidend sein, die hohe Alkopopsteuer zu vermeiden.

Text: eli | Bild: eli